Die 50er Jahre

9sn5orvcAls im Juli 1953 auf Initiative der französischen Besatzungsmächte die ersten rheinlandpfälzischen Journalisten das Departement Côte d´Or in Burgund besuchten, konnte wohl keiner ahnen, dass dies der Beginn einer bis heute in der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Frankreich einmaligen regionalen Partnerschaft sein würde. Weder in dem noch jungen Rheinland-Pfalz, noch im von der Resistance geprägten Burgund hatte man zu diesem Zeitpunkt Sinn oder Interesse für historische oder gar aktuelle Gemeinsamkeiten. Deshalb war es nicht einfach oder gar so selbstverständlich, wie es heute erscheinen mag, die politisch Verantwortlichen auf beiden Seiten dazu zu gewinnen, neue Kontakte zwischen Deutschen und Franzosen aufzubauen. Gewiss war dieses Projekt 1953 zukunftsweisend, es war aber auch abenteuerlich und für manch einen illusionär.

6pfm52z1Es ist Persönlichkeiten wie dem zu Lebzeiten schon legendären Chanoine Député Maire von Dijon und Alters präsidenten der französischen Nationalversammlung, Felix Kir, dem Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Dr. Peter Altmeier, den Oberbürgermeistern von Mainz und Neustadt, Persönlichkeiten des französischen Landeskommissariats für Rheinland-Pfalz und vielen anderen mehr zu verdanken, dass aus einer Vision, aus einem Herzenswunsch einiger weniger, eine viele hunderttausende Menschen begeisternde Bewegung wurde.

Ein wichtiges äußeres Zeichen wurde am 23. August 1953 mit der Grundsteinlegung für die gemeinsam geplante deutsch-französische Kirche des Heiligen Bernhard von Clairvaux in Speyer gesetzt. Prominente Persönlichkeiten aus beiden Staaten setzten mit ihrer Anwesenheit ein deutliches   Zeichen für den Versöhnungswillen. Die feierliche Einweihung folgte im September des Jahres 1954.

Seit 1953 hatte es auch erste Kontakte im schulischen Bereich und zwischen den Universitäten gegeben.

st0pvw5vDieser zarten Pflanze der versöhnlichen Kontakte und der ersten Austausche drohte mit der Aufhebung des Besatzungsstatuts am 5. Mai 1955 ein frühes Ende. Mit der Gründung des Freundschaftskreises Rheinland-Pfalz/Burgund (seit 1999 Partnerschaftsverband Rheinland-Pfalz/ Burgund) am 5. September 1956 als Trägerverein für den Austausch, und der Amicale Bourgogne/ Rhénanie-Palatinat (seit 1998 Union pour la Cooperation Bourgogne/Rhenanie-Palatinat) am 25. Februar 1957 fand sich ein neuer institutioneller Rahmen. Der Gründungsakt war im wesentlichen das Verdienst des Franzosen André Blitz aus dem Stab des ehemaligen Landeskommissars und seiner deutschen Freunde. Durch Vermittlung der beiden Institutionen konnte der Austausch auf weite Teile des öffentlichen Lebens ausgeweitet werden. Eine wahre Flut von Partnerschaftsgründungen auf kommunaler Ebene setzte ein.