Burgund – Geschichte und Kultur im Überblick

18.000 – 15.000 v.Chr. Besiedlung am Felsen von Solutré bei Mâcon (Funde von Steinwerkzeugen und Knochen).
8. / 7. Jh. v.Chr. Kelten siedeln in der Region (Hallstatt-Zeit), Warenaustausch mit dem Mittelmeerraum (Funde von Vix bei Châtillon-sur-Seine).

Römer und Gallorömer

125 – 122 v.Chr. Rom erobert das keltische Gallien von der Provence bis zum Genfer See.
59 – 52 v.Chr. Caesar unterwirft die nördlichen gallischen Gebiete bis zum heutigen Belgien.
58 v.Chr. Caesars Sieg bei Bibracte (Oppidum der Häduer, heute Mont Beuvray) über die keltischen Helvetier.
52 v.Chr. Der gallische Fürst Vercingetroix aus dem Stamm der Averner und sein Heer werden bei Alesia von Caesar besiegt. Caesar schreibt sein Werk „Der gallische Krieg“.
1. – 4. Jh. n.Chr. Gallorömische Epoche: Das Land wird romanisiert. Römische Städte wachsen: Autun (gegründet um 15. v.Chr.), M1acon. Nevers, Auxerre, Alesia. Der Weinbau floriert.
4. Jh. Christianisierung in mehreren gallo-römischen Zentren.
5. Jh. Zeit der Völkerwanderung. Die ostgermanische Burgunder sind von der Ostsee an den Rhein gezogen, ihr Königreich um Worms wird 437 von hunnischen Heeren vernichtet. Überlebende Burgunder siedeln auf Betreiben der Römer im Gebiet des heutigen Savoyen. Das neue Königreich Burgund dehnt sich aus und gibt dem Land den Namen Burgund, der später nur im Gebiet der heutigen Bourgogne erhalten bleibt.

Merowinger und Karolinger

532 Der Burgunderkönig Godomar wird bei Autun von den fränkischen Merowingern geschlagen, die über Gebiete des heutigen Belgiens, Deutschlands und Frankreichs herrschen. Binnen weniger Jahrzehnte wird die Einheit des Merowinger-Reiches durch Erbstreit und Intrigen zerstört, Burgund entsteht neu als eines von drei Teilreichen.
Ende 8. Jh. Karl der Große aus der Familie der fränkischen Karolinger schließt die Territorien zwischen Elbe, Atlantik, Pyrenäen und Oberitalien zu einem Reich zusammen.
843 Im Vertrag von Verdun wird das Reich Karls aufgeteilt, Burgund gehört nun teils zum Westfrankenreich, teils zum Mittelreich und erstreckt sich gen Süden bis zur Provence.
9. – 10. Jh. Zeit der Normannenüberfälle. Mit ihren Booten dringen sie flussaufwärts ins Land ein, plündern Städte, Dörfer und Klöster, töten oder entführen die Bewohner.
Ende 9. Jh. Die Königreiche Niederburgund (zwischen Lyon und der Mittelmeerküste) und Hochburgund entstehen; das Lehnsherzogtum Burgund ist von der Westfränkischen Krone abhängig.
910 Gründung der Benediktinerabtei Cluny, von der im 11. / 12. Jh. nicht nur eine Redform des Benediktinerordens, sondern auch starker moralischer und politischer Einfluss in Europa ausgeht.

Hochmittelalter

934 – 1033 Beide burgundischen Königreiche sind zum Königreich Burgund „Arelat“ vereinigt, das sich von der Schweiz bis ans Mittelmeer erstreckt. Daneben besteht das Herzogtum Burgund ungefähr auf dem Territorium der heutigen Bourgogne in enger Verbindung mit dem französischen Königtum.
1032 Das burgundische Herzogtum fällt an die Kapetinger, eine Nebenlinie des französischen Königshauses.
1032 – 1034 Das Königreich Burgund gehört durch Erbfall zum deutschen Reich.
11. Jh. Bau großer frühromanischer Kirchenbauten in Burgund: St-Philibert in Tournus, St-Bénigne in Dijon.
11. / 12. Jh. Nach dem Vorbild der Abteikirche von Cluny III (heute fast ganz zerstört) entstehen in reichem, eindrucksvoll ornamentierten Stil die Kirchen von Paray-le-Monial, Vézelay und St-Lazare in Autun.
1098 In Cîteaux wird der Zisterzienserorden gegründet, als asketische Gegenbewegung zu den Ordensregeln von Cluny, dessen Baustil die Zisterzienser als anmaßend und monströs kritisieren. Der Zisterzienserorden gründet in den nächsten Jahrhunderten Filialklöster in ganz Europa.
12. Jh. Spätromanischer, asketisch klarer Baustil der Zisterzienserklöster (Cîteaux, Clairvaux, Fontenay).
1146 Bernhard von Clairvaux vom Orden der Zisterzienser (um 1090 – 1153, 1174 heilig gesprochen), führender Kirchenlehrer und Mystiker, ruft in Vézelay zum Zweiten Kreuzzug auf.
1178 Kaiser Friedrich Barbarossa wird in Arles zum König von Burgund gekrönt.
12. / 13. Jh. Von Norden kommend gelangt der gotische Baustil nach Burgund: Kathedrale von Sens, St-Étienne in Auxerre, Notre-Dame in Dijon, St-Père-sous-Vézelay.
1361 Im Herzogtum Burgund stirbt die Linie der Kapetinger aus.

Blütezeit Burgunds unter den Großen Herzögen

1363 Die Epoche der vier Großen Herzöge beginnt: Der französische König Johann der Gute übergibt die Herrschaft seinem Sohn Philipp dem Kühnen aus der Familie Valois.
1369 Philipp der Kühne (reg. 1364 – 1404) heiratet die Erbin von Flandern, Margarete.
1384 Das Herzogtum umfasst die seit 1032 unter deutscher Lehnshoheit stehende Franche-Comté (Freigrafschaft Burgund), das östliche Gebiet um Besancon. Auch das reiche Flandern gehört zu Burgund, der große Einfluss flandrischer Kunst und Kultur in der Bourgogne beginnt. In den folgenden Jahrzehnten gewinnt Burgund auch die Herrschaft über Brabant, die Picardie, den Hennegau und das Herzogtum Luxemburg sowie die Grafschaft Holland bis zu den Inseln Texel und Vlieland.
14. Jh. Spätgotik. Flandrische Künstler arbeiten in Burgund (Kartause von Champmol in Dijon, Mosesbrunnen von Claus Sluter). Der Flamboyanstil prägt Ende des Jahrhunderts die Architektur.
1404 – 1467 Während der Herrschaft der Herzöge Johann Ohnefurcht (reg. 1401 – 1419) und Philipp des Guten (reg. 1419 – 1467) wird das französische Königtum im sogenannten Hundertjährigen Krieg mit England (1339 – 1453) geschwächt. Das Herzogtum Burgund wird ein starker politischer Faktor zwischen den deutschen Ländern und dem Königreich Frankreich. Nicolas Rolin, 1376 – 1462, einflussreicher Kanzler Philipps des Guten, ist maßgeblich beteiligt an der Beendigung des Hundertjährigen Krieges.
um 1450 Rogier van der Weyden vollendet das „Jüngste Gericht für das Hôtel-Dieu in Beaune, eine Stiftung des Kanzlers Nicolas Rolin. 1451 wird die Kapelle des Hôtel-Dieu geweiht.
1467 – 1477 Karl der Kühne (geb. 1433 in Dijon), der letzte der Großen Herzöge, versucht, auch elsässische und lothringische Gebiete zu erwerben, um einen großen Staat von den Alpen bis zur Nordsee zu schaffen. Ohne sein Ziel zu erreichen, fällt er im Kampf gegen die schweizerischen Eidgenossen und die Lothringer vor Nancy.
1477 Durch die Heirat mit Maria, der Tochter Karls des Kühnen, erbt der deutsche Kaiser Maximilian von Habsburg das Herzogtum Burgund mit seinen niederländischen Besitzungen

Burgund wird französisch

1493 Der Kaiser muss die französische Bourgogne an Frankreich abtreten, behält jedoch die Franche-Comté. Flandern, und die übrigen niederländischen Gebiete. Gegenüber dem französischen König wahrt Burgund gewisse Selbstständigkeit (Parlamentssitz in Dijon).
16. Jh. Als Folge der Reformation wird Frankreich von Religionskriegen erschüttert, auch in Burgund zerstören fanatisch gegen die Heiligenverehrung vorgehende Bilderstürmer mittelalterlichen Figurenschmuck in den Kirchen. Der burgundische Hochadel baut sich Landsitze im Renaissancestil nach dem Vorbild der Loire-Schlösser (Sully, Ancy-le-Franc, Tanlay).
1631 Die Prinzen von Condé regieren als Gouverneure des französischen Königs (bis zur Französischen Revolution).
1683 Der Komponist Und Musiktheoretiker Jean-Philippe Rameau wird in Dijon geboren (gest. 1764 in Paris).
1707 In Montbard wird der als Naturforscher und Techniker bekannte Georges Louis Leclerc, Graf von Buffon, geboren (gest. 1788 in Paris).
1765 Joseph Nicéphore Niépce, der Wegbereiter der Fotografie (1816) kommt in Chalon-sur-Saône zur Welt (gest. 1833 in Gras bei Chalon).
1789 Die Revolutionsregierung führt Départements ein. Das burgundische Territorium ist endgültig ein Teil Frankreichs. In den folgenden Jahren werden geistliche Besitztümer enteignet, teils zum Abbruch freigegeben (Cluny). Radikale Gegner zerstören Kirchen und Heiligenstatuen.
1790 Der frühromanische Dichter und Politiker Alphonse de Lamartine wird in Mâcon geboren (gest. 1869 in Paris).
1832 In Dijon erblickt der Erbauer des Eiffelturms, André Gustave Eiffel, das Licht der Welt (gest. 1923 in Paris).
1836 In Le Creusot erwirbt die Familie Schneider Hüttenwerke und ein Industriezentrum entsteht.
1873 Die Autorin Sidonie Gabrielle Colette (Roman „Gigi“) wird in Saint-Sauveur-en-Puisaye geboren (gest. 1964 in Paris).
1878 Schwere Krise des Weinbaus durch die aus Amerika eingeschleppte Reblaus. Neubepflanzung mit dem Ziel der Qualitätssteigerung.

Das 20. Jahrhundert

1915 Romain Rolland, 1866 in Clamecy geboren (gest. 1944 in Vézelay), Autor und Kriegsgegner, erhält für seinen Roman „Jean Christophe“ den Nobelpreis.
1934 Gründung der weltberühmten Weinbruderschaft Confrèrie des Chevaliers du Tastevin. Ihr Sitz ist seit 1944 Château de la Tour in Clos de Vougeot.
1940 Der junge Schweizer Theologe Roger Schutz gründet die Communauté de Taizé. Der Ort ist bis heute überkonfessionelle Begegnungsstätte.
1940 – 1942 Im Zweiten Weltkrieg verläuft die Grenze zwischen dem besetzten Gebiet und Vichy-Frankreich durch Burgund. 1942 marschieren deutsche Truppen auch im unbesetzten Teil ein. Besonders im Morvan sind Widerstandsgruppen aktiv
1971 Der Parc Naturel Régional du Morvan entsteht, einer der größten Naturparks Frankreichs.
1972 Unter Staatspräsident Charles de Gaulle wird Frankreich, ungeachtet der weiterbestehenden Départements, in Regionen eingeteilt. Die Région Bourgogne entspricht im wesentlichen den alten historischen Grenzen des Herzogtums (ohne Franche-Comté).
1982 Auf der Strecke Paris – Lyon wird auch Burgund an das Netz des prestigeträchtigen Hochgeschwindigkeitszuges TGV angeschlossen.
1984 Stilllegung der Stahlwerke von Le Creusot. Der Ort wird ein Zentrum moderner Technologien und zeigt touristisch interessante Industriedenkmäler.
1994 / 1995 Bibracte – Mont Beuvray, Kulturprojekt Francois Mitterrands, wird mit Forschungszentrum und keltischem Museum eröffnet.

Das 21. Jahrhundert

2003 Ein Radwegenetz entlang der burgundischen Kanäle wird aufgebaut und soll 2008 fertiggestellt werden.